Ich schreibe diesen Text an einem grauen Januarmorgen. Draußen liegt dieses typische Licht, das nichts beschönigt. Kein Wintermärchen, kein frischer Neubeginn. Nur Kälte, Stille und dieses leise Gefühl, dass alles ein bisschen schwerer ist als sonst.
Vielleicht kennst du das. Dieses diffuse Empfinden, dass alle anderen scheinbar schon wieder voller Energie sind, während du innerlich noch irgendwo zwischen Dezember und Erschöpfung hängst. Instagram ist voll von „Back on track“-Routinen, TikTok erklärt dir, wie du in 14 Tagen dein Leben neu sortierst, und irgendwo zwischen all dem sitzt du und fragst dich, warum du dich nicht genauso motiviert fühlst.
Ich möchte heute nichts reparieren. Nichts optimieren. Ich möchte dir einfach sagen: Es ist okay, dass es gerade so ist.
Was wirklich hinter diesem Januar-Gefühl steckt
Der Januar wird oft behandelt wie ein Montag im Kalenderjahr. Ein Startschuss. Ein „Jetzt aber wirklich“. Und genau das macht ihn für viele so anstrengend. Denn unser Körper, unser Nervensystem und auch unsere Psyche funktionieren nicht nach Kalenderblättern.
Biologisch gesehen ist Januar immer noch Winter. Wenig Licht, niedrige Temperaturen, eine Umgebung, die eher nach Rückzug als nach Aufbruch ruft. Gleichzeitig erwartet die Gesellschaft Aktivität, Disziplin und Veränderung. Dieser Widerspruch erzeugt Spannung – nicht, weil mit dir etwas nicht stimmt, sondern weil zwei gegensätzliche Kräfte aufeinandertreffen.
Vielleicht fühlst du dich müde, obwohl du „nichts gemacht hast“. Vielleicht bist du unruhig, ohne genau zu wissen warum. Vielleicht hast du das Gefühl, etwas zu verpassen, ohne benennen zu können, was es eigentlich ist. All das sind keine Schwächen. Es sind Reaktionen auf Überforderung.
Ich merke das auch bei mir. An Tagen, an denen ich mich frage, warum alles langsamer läuft. Warum Gedanken schwerer sind. Warum Entscheidungen mehr Kraft kosten. Und jedes Mal, wenn ich aufhöre, dagegen anzukämpfen, wird es ein kleines bisschen ruhiger.
Social Media sagt: Mehr. Der Körper sagt: Weniger.
Wenn ich mir aktuelle Inhalte anschaue, fällt mir auf, wie laut alles ist. „Glow up“, „Disziplin“, „neue Routinen“, „beste Version deiner selbst“. Es ist nichts falsch daran, sich entwickeln zu wollen. Aber es wird problematisch, wenn Entwicklung nur noch als Leistung gedacht wird.
Dein Körper kennt keine To-do-Listen. Er kennt Rhythmen. Phasen. Pausen. Und gerade im Winter sind diese Pausen nicht optional. Sie sind notwendig.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem du gerade stehst: Du brauchst keinen neuen Plan. Du brauchst Erlaubnis. Erlaubnis, langsamer zu sein. Erlaubnis, nicht zu wissen, wie alles weitergeht. Erlaubnis, heute einfach nur da zu sein.
Ich habe lange geglaubt, ich müsse diesen Zustand „überwinden“. Heute weiß ich: Je mehr ich ihn zulasse, desto schneller verändert er sich von selbst.
Was ich mir selbst im Januar erlaube
Ich erlaube mir, nicht produktiv zu sein. Ich erlaube mir, Spaziergänge ohne Ziel zu machen. Ich erlaube mir, früher schlafen zu gehen, ohne das Gefühl zu haben, etwas zu verpassen. Ich erlaube mir, Fragen offen zu lassen.
Nicht als Konzept. Nicht als Methode. Sondern als Haltung.
Es gibt Tage, an denen ich nichts „schaffe“. Und trotzdem passiert etwas Wichtiges: Mein Nervensystem kommt zur Ruhe. Mein Denken wird klarer. Meine innere Stimme wird leiser – und ehrlicher.
Vielleicht ist das auch für dich gerade wichtiger als jeder Neuanfang: Wieder zu hören, was in dir wirklich los ist.
Du musst dich nicht neu erfinden
Ein Gedanke, der mir immer wieder hilft: Du bist kein Projekt. Du bist ein Mensch. Und Menschen dürfen Phasen haben, die nicht nach Wachstum aussehen.
Es gibt kein Versagen im Innehalten. Kein Zurückfallen im Ausruhen. Kein Stillstand im Nichtstun. Oft ist genau das die Voraussetzung dafür, dass sich später etwas stimmig bewegen kann.
Wenn du also gerade das Gefühl hast, „hinterher“ zu sein, dann möchte ich dir sagen: Du bist nicht zu spät. Du bist genau da, wo du gerade bist. Und das reicht.
Gedanke zum Schluss
Vielleicht muss dieser Januar nichts von dir wollen. Vielleicht darf er einfach da sein – grau, ruhig, unaufgeregt. Und vielleicht darfst du dich selbst darin ein kleines Stück weniger antreiben.
Was würde sich verändern, wenn du dir diesen Monat nicht als Start, sondern als Übergang erlaubst? Du kannst deine Gedanken dazu gern in den Kommentaren teilen. Wenn du magst, registriere dich für den Austausch im Blog und den Mitgliederbereich – dort findest du auch den Newsletter zum Lesen.