Hey Du,
ich schreibe dir aus genau dieser Zwischenzeit. Nicht „zwischen den Jahren“ im Kalender. Eher zwischen dem, was draußen passiert, und dem, was innen erwartet wird. Der Januar hat so ein Talent dafür, sich wie ein Startschuss anzufühlen – und gleichzeitig wie ein Raum, in dem man kaum atmen kann, weil überall diese unsichtbaren Pläne rumliegen.
Vielleicht kennst du das: Du bist nicht wirklich traurig. Nicht wirklich gestresst. Aber auch nicht frei. Eher… leer. Und genau diese Art von Leere triggert viele von uns, weil wir gelernt haben, dass sie „gefüllt“ werden muss. Mit Routinen. Mit einem Ziel. Mit einer neuen Version von uns.
Ich will dir heute etwas Unpopuläres sagen, aber ich löse es auch wieder auf: Der Winter will nichts von dir. Er fragt nicht nach deiner Disziplin. Er bewertet nicht, ob du „drangeblieben“ bist. Er ist einfach da. Still. Kalt. Und manchmal ein bisschen nass-grau. Und genau deshalb fühlt er sich für viele so schwer an: weil er nichts zurückspiegelt außer dem, was wir selbst gerade mitbringen.
Was ich gerade überall sehe: Auf TikTok und Instagram laufen wieder Challenges an, die so tun, als wäre Januar ein Produktivitätsmonat. Morgens 50 Sprünge direkt nach dem Aufwachen. 30 Tage „durchziehen“. Kleine, schnelle Siege, damit sich das Leben wieder kontrollierbar anfühlt.
Ich verstehe, warum das wirkt. Ein kurzer Impuls im Körper kann dich tatsächlich wacher machen. Bewegung bringt Wärme, Kreislauf, ein „Okay, ich bin da“. Aber: Wenn dein Nervensystem gerade nicht nach Aufdrehen fragt, sondern nach Runterregeln, dann kann selbst ein harmloser Trend sich wie Druck anfühlen. Nicht weil du schwach bist. Sondern weil dein System klug ist.
Und genau hier beginnt für mich der Unterschied zwischen Selbstfürsorge und Selbstoptimierung:
- Optimierung fragt: „Wie kann ich mehr aus mir rausholen?“
- Selbstfürsorge fragt: „Was wäre heute genug – damit ich mich nicht verliere?“
Ich weiß, „genug“ klingt nach Aufgeben. Nach Mittelmaß. Nach „zu wenig“. Aber im Winter ist „genug“ oft das, was dich in einem Stück durch den Tag bringt. Ohne dass du abends im Bett liegst und denkst: Ich habe alles gemacht – aber ich war dabei nicht da.
Ein Gedanke, der mich diese Woche getragen hat
Ich habe mich gefragt: Was, wenn ich diesen Januar nicht „nutze“, sondern bewohne? Nicht als Projekt. Nicht als To-do-Liste. Eher wie einen Raum, in dem ich mich langsam sortieren darf. So, wie die Natur es macht: Unter der Oberfläche passiert viel – aber es muss nicht sichtbar sein.
Wenn du gerade in so einem „Dazwischen“ steckst, dann ist das kein Zeichen, dass du nicht weißt, was du willst. Es kann auch heißen: du bist nicht bereit, dich in eine schnelle Antwort zu pressen.
Du darfst müde sein, ohne es zu begründen. Müdigkeit ist kein Makel. Sie ist ein Signal.
Bewegung muss nicht „Training“ heißen. Es darf Kontakt sein. Zwei Minuten zählen.
Wenn du heute nur eine Sache mitnimmst
Dann vielleicht das: Du bist nicht zu langsam. Du bist im richtigen Monat. Das klingt banal, aber es ist eine andere Haltung. Nicht gegen dich. Sondern mit dir.
Und falls du dich gerade fragst, ob du „zu wenig machst“: Vielleicht ist das, was du nicht machst, genau das, was dich schützt.
Leise Frage an dich
Was würde heute leichter werden, wenn du dir erlaubst, nichts zu beweisen?
Zwischen Atem und Anfang – warum dieser Winter nichts von dir will
Der Januar muss nichts beweisen
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Ich bin hier. Nicht um dich anzutreiben. Eher um dich daran zu erinnern, dass du in diesem Winter nicht gegen dich gewinnen musst.
Mira